Mit fünfundzwanzig steht ihr Turm in Fisherman Bay. Sie kommt um fünf Uhr fünfzig an, vor allen anderen. Sie prüft die Bedingungen, rüstet die Ausrüstung auf, schwimmt achthundert Meter zum Aufwärmen. Um halb sieben ist sie bereits in Position.
Sie liest das Wasser, wie andere Gesichter lesen. Sie weiß, wann eine Strömung sich ändern wird, daran, wie sich der Schaum bewegt. Sie weiß, wann ein Badender in Schwierigkeiten geraten wird, daran, wie er seine Schultern neigt. Sie isst im Turm: Sandwiches, die sie am Vorabend vorbereitet hat, immer mit zu viel Eiweiß. Sie trägt während der Schicht kein Telefon bei sich.
Nach der Arbeit schwimmt sie noch einmal. Diesmal langsam, ohne Ziel, in dem Teil der Bucht, wo das Wasser tiefer und kälter ist. Das Wasser riecht zu dieser Stunde anders — nach Algen und sauberem Stein, ohne Sonnencreme, ohne Lärm. Es ist ihre Version von Meditation. Oder vom Atmen. Oder von dem, was Weiße Haie auch immer tun, wenn sie schwimmen, ohne zu jagen — einfach sich bewegen, weil Anhalten keine Option ist.
Freitags bei Sonnenuntergang, Bier am Kai mit fünf Kollegen vom Rettungsdienst und zwei Fischern. Eine Esky-Kühlbox, der Südwind, Gespräche übers Meer ohne Romantik. Es ist das einzige soziale Ritual, das sie nicht auslässt. An einem Freitag brachte jemand die Shark Tours eines neuen Veranstalters aus Adelaide zur Sprache. „Reines Köderspektakel", sagte einer. Lowanna hörte zu. Sie trank. Sie sagte fünf Minuten lang nichts. Dann sprach sie acht Minuten am Stück: der Unterschied zwischen verantwortungsvollem Shark Diving und Shark Baiting, die Daten zum Einfluss aufs Tierverhalten, die Protokolle, die existieren, und die, die existieren sollten. Niemand unterbrach sie. Einer der Fischer sagte: „Das solltest du aufschreiben." Sie lachte. „Nah, mate. Ich brauchte nur, dass jemand es hört."
In jener Nacht öffnete sie ein leeres Dokument auf dem Laptop. Sie schrieb drei Absätze. Sie löschte sie. Sie klappte den Laptop zu.